Die Anreise fasse ich kurz zusammen: eine Übernachtung neben dem Kofferband auf dem Flughafen in London-Stansted (Großbritannien) folgten 2 Tage in Santiago de Compostela (hier ist eindeutig das Wandern angesagt!), dann 4 Nächte im 4 m²-Zimmer meiner Tochter Paula in La Coruna (Spanien). Das letzte Training fand auf unebenen Geläuf mit vielen Höhenmetern statt. Die letzte Etappe dann 21 Stunden im Bus über Bilbao, San Sebastin und Montpelliere nach Lyon (Frankreich).

Ich habe dann 4 Tage Quartier bei meinen neuen Freunden Joelle und Jean-Louis gefunden. Auf Europas größten Marktplatz war eine große Marathon-Messe aufgebaut. Das Wetter locker über 25°C. Nachdem ich am Freitag und Samstag mit abwechselnden Franzosen unzählige Sightseeing-Kilometer abgerissen habe, sollte es am Sonntag richtig kalt regnen. Der offizielle Start erfolgte um 8:30 Uhr. Ich brauchte in meinem Startblock erst um 8:45 Uhr erscheinen um dann bekleidet mit einer Mülltüte im Dauerregen auf unsere Freigabe zu warten. Die Startlinie kam gegen 9.15 Uhr in Sichtweite. Nach der holprigen Vorbereitung bin ich auf anraten von Arendt einen langsames erstes Drittel gelaufen. Das läuft ja noch alles ganz rund. Auch das zweite Drittel klappt ganz gut und meine, schon vorher nach unten korrigierte Zielzeit von 4:30, scheint trotz der klitschnassen Schuhe noch nicht allzu utopisch zu sein. Ganz sicher bin ich mir nicht, da beim Start mein GPS noch nicht lief, meine Uhr die 2-km-Stadttunnel (km 15-17) mal so halbiert hat und es auch keine Kilometerschilder gab. Das letzte Drittel fühlte sich dann doch deutlich anders an. Die Beine werden müde und innere Stimmen schreien laut aufhören; die Strecke wird auch nicht besser. Aber immerhin laufe ich noch und wackere Musikanten spielen ja auch noch auf. Irgendwo wird David Bowies „Heroes“ gespielt. Aber bei jedem Kilometer nimmt die Gewissheit zu, dass dieser Marathon definitiv der Letzte in meinem Leben ist, am Ende bin ich mir ganz sicher! Nach 4:50:18 geht es so leidlich über die Ziellinie. Das Wetter schreckt in Frankreich doch deutlich mehr Zuschauer vom Kommen ab als bei uns im Norden. 

Jetzt am Dienstag sitze ich in Brüssel (Belgien) und schreibe diesen Bericht und warte auf meinen letzten Flug nach Billund (Dänemark) um meine Europa-Tournee abzuschließen. Inzwischen ist auch die Gewissheit wieder deutlichen Zweifeln gewichen. An der Zeit muss doch noch was zu machen sein. Ich frag mal meine Trainerin. Es gibt ja noch so viele schöne Lauf-Ziele.

 

Euer Wolfgang

-STV Sörup-

 

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